Heute ist ein entsetzlich schwueler Tag. Was soll man da machen als ins Kino gehen?
In London wird gerade ganz massiv “The Dark Knight” gehypt, und man denkt fast, Christian Bale habe seine Mutter und Schwester nur deshalb taetlich angegangen, damit die Journos schreiben koennen: “Polizei verhaftet Batman”. (Ja, sie haben, fragt nicht, den Medien hier ist kein Witz zu doof).
Ich mochte “Batman Begins” - wie alle “Origin Stories” (also alle “wie wurde Tony Iron Man, wie wurde Bruce Batman, wie wuerde Frank the Punisher”-Filme) konnte sich auch Batman Begins am Charakter Batman abarbeiten, und das Ergebnis war ja auch sehr beachtlich.
Dann schiesst sich Heath ein paar Monate vor dem Filmstart letal ab. Die beste Weise, das Werk eines Kuenstlers zu verteuern, ist, diesen zu toeten oder wenigstens sterben zu sehen. Und Heath war dann auch noch jung und schoen und sicher eine schoene Leiche. Schoene Leichen waren in der Viktorianik und bei Edgar Allan Poe immer weiblich, aber seit Brokeback Mountain sind wir da emanzipiert.
Dann sagt Nolan, Heath soll den Oscar kriegen. Und das ist dann eine Newsstory, die von allen wiederholt wird. Bale sagt, Heath soll den Oscar kriegen, Morgan Freeman sagt, er soll den Oscar kriegen, und das wird solange wiederholt, bis Leute in den Film gehen, weil Heath dafuer den Oscar verdient haben soll. Marketingtechnisch … was ein Coup. Man wartet darauf, dass ein Brief von Heath auftaucht, in dem er schreibt, er will gern den Oscar, falls er unerwartet ins Gras beisst.
Heute habe ich mir den Zweieinhalben-Stunden-Schinken angesehen, im Empire in Bromley, einem der schmierigsten Kinos, in dem ich je war, und ich war in Gelsenkirchen in dem Schmuddelkino auf der Bahnhofstrasse. Dafuer ist es in der Naehe, entsprechend stoert’s dann etwas weniger, dass der Teppich bei jedem Schritt klebt und schmiert.
Batman ist, traditionell, nach dem Punisher, mein Lieblings”held”. Mittlerweile hat Iron Man ihm den zweiten Rang allerdings abgelaufen (Downey ist schuld…). Entsprechend wohlwollend war ich. Nolan ist seit “The Prestige” und nicht zuletzt “Batman Begins” mein grosser Held.
Aber richtig begeistert bin ich nicht. Ich weiss, dass etwas mit einem Film nicht stimmt, wenn ich auf halber Strecke denke “Jetzt lass gut sein, ich will nach hause, schreiben”. Ich bin, wenn ich “im Flow” bin (und das bin ich gerade) antisozial und kann mich schlecht auf aeussere Reize konzentrieren. Das als Warnung, entsprechend war ich *nicht* der ideale Zuschauer.
In The Dark Knight ist Batman eins vor allem: platt. Eigentlich ist er doch ein Langweiler, dieser Bruce Wayne. Hat alles was er nur wollen kann. Vielleicht ist er auch muede. Er will gern das “Heldentum” an den Nagel haengen, zu gunsten eines blonden Strahlemanns, der aber durch die Vorkommnisse im Film die Seiten wechselt, wenn man den Abstieg in den Irrsinn so nennen kann.
Der Soundtrack von der Zimmer-Truppe roehrt einem die ganze Zeit DUESTERE Hoerner um die Ohren, bis jeder begriffen hat, dass dies ein DUESTERER FILM IST (und schamloses Selbst-Kopieren hat Zimmer ja bis zur Olympiareife perfektioniert, entsprechend hatte ich immer wieder “The Rock”-Momente, wenn die Zitate zu offensichtlich wurden).
Alles atmet von Anfang an Verfall und Dunkelheit, ein bisschen wie das Niebelungenlied oder griechische Tragoedie. Man weiss, das nimmt kein gutes Ende, und die Zivilisten und Cops beissen reihenweise ins Gras. Staendig explodiert was. Autos, Gefangene … am Ende weiss man, dass alles verhandelbar ist - Leben und geistige Gesundheit inklusive.
Frauen waren, wie immer, Heldenliebchen. Wenigstens beisst dieses ins Gras. War auch der langweiligste Charakter - wenn sie Joker auch an einer Stelle einigermassen die Stirn bietet - wenn schon nicht mental, kann sie ihm wenigstens in die Eier treten. Bravo, Emanzipation! Danach muss sie sich natuerlich retten lassen, wie jedes Heldenliebelchen. Man muss wohl einen Schwanz haben, um einen inneren Konflikt und eine innere Entwicklung und Motivation zu bekommen. Der Film ist entsprechend weiss, maennlich, heterosexuell, bis es kracht. Joker mochte ich schon deshalb, weil er sich als Krankenschwester nen Kittel anzieht und eine Peruecke ueberstuelpt. Der Irre als Grenzueberschreiter. Und Joker zieht das ab, der traegt das Outfit ganz natuerlich, trotz bemerkenswert schoen-maennlich-muskuloes-goldener Arme.
Der Film hat ein Dutzend Plotboegen. Und ganz sicher ist der Joker-Plot der interessanteste. Sobald der abgefruehstueckt ist, bleibt es an einer eher ekligen Horrorfratze (”Two-Face”), zu versuchen, einen draufzusetzen, und das klappt nicht. Sobald der Joker “fertig” ist, ist alles andere nur noch drangehaengt, als wolle man unbedingt die 2,5 Stunden vollmachen.
In vielen Szenen war es ein Action-Spektakel mit so langen Action-Szenen, dass Ermuedung eintrat. Die Sonar-Szenen haben mich am Ende gelangweilt, weil ich so verwirrt war, was jetzt passiert, dass ich mich zurueckgelehnt habe und gewartet habe, bis die Szene vorbei ist und die Story endlich weitergehen kann. Die Verfolgungsjagden waren bombastisch, kein Vorwurf, aber in all dem Schall und Wahn kam weniger Spannung auf als in den Charakter-zentrierten Szenen.
Und das waren auch die Szenen, in denen der Joker wirklich geglaenzt hat. Heath spielt(e) Joker mit einer Intensitaet, die einfach Freude macht. Viele haben sich vor Joker erschreckt, oder gefuerchtet, aber ich fand ihn brilliant. Wenn man seine “Sicht” der Dinge akzeptiert, dann war das ein Fest. Aber mit Boeswichtern mitzudenken und zu -fuehlen ist wohl eines meiner groessten Laster, wenn’s ums Kino geht. Joker war sehr, sehr gut. Clever, anarchistisch, faszinierend. Dagegen sah Scarecrow alt aus und war auch komplett verschenkt in seinen ein oder zwei Szenen. Der fiel gar nicht ins Gewicht, dito Two-Face.
Die Joker-Szenen waren definitiv die Hoehepunkte des Film, und die absolut beste Szene ist die, wenn er seinen “magischen Trick” vorfuehrt und “den Bleistift verschwinden laesst.” Atemberaubend, und fuer mich die Szene, wo der Charakter klar wurde - da brauchte es kein irres Gelaechter mehr, keinen manischen Veitztanz, oder gar den Rest der Gewaltorgie.
Andererseits war der Film vielleicht einfach zu heftig, zu laut, zu schnell, zu viel. Ich bin mir voellig im Unklaren, ob ich ihn jetzt mochte oder nicht. Die Message, das Thema ist mir auch nicht klar. Als haette Nolan zu viel Die Matrix 2-3 gesehen und seinen Schauspielern einfach pseudo-tiefsinniges Zeugs reingeschrieben, damit es nicht “nur ein Superhelden-Film” ist, sondern was “mit Anspruch”, aber gleichzeitig so platt und beliebig, dass auch die 14-16jaehrigen Kinogaenger nicht ueberfordert werden von schwierigen Entscheidungen und tiefsinnigen Ueberlegungen.
Mein Bauch sagt, er war zu lang, zu viel, zu laut, mein Hirn klammert sich an brillianten Szenen und Einfaellen fest. Am Ende, denke ich, ist The Dark Knight ein genialer Fehlschlag, wie Gangs of New York zum Beispiel. Immer noch besser als 95% von allem, was der Hollywood-Mainstream ueber der Welt ausgiesst, aber fuer mich kein grosser Film.